Wir sagen noch immer: Nein zum Flughafen Tegel!

 

Heute ist der Tag gegen Lärm. Lärm ist nicht nur eine immense Belastung, sondern er macht auch krank.

Besonders wir Spandauer*innen wissen was das heißt: Täglich starten und laden noch immer hunderte Flugzeuge in Tegel.

2007 haben mein Mann und ich unsere Ersparnisse zusammengekratzt und uns ein kleines Haus in Spandau gekauft – als Altersvorsorge. Wir haben extra gewartet, bis die Gerichte entschieden hatten, dass Tegel schließen muss, sobald der BER öffnet. Fünf Jahre später, 2012, wollten wir mit der ganzen Nachbarschaft den Tag feiern, an dem es endlich soweit ist. Alles war schon geplant für die große Straßenparty. Doch dann kam die Enttäuschung: Die BER-Eröffnung wurde verschoben, Tegel blieb offen.

Seitdem fliegen jedes Jahr mehr Flugzeuge über unser Haus. Die Flugfrequenz wurde deutlich erhöht. Auch die Zeit der Nachtruhe wurde verkürzt. Schlafen bei offenem Fenster ist bei uns nicht möglich. Bis zu zwölf Mal werden wir jede Nacht vom Fluglärm aus dem Schlaf gerissen. Unseren kleinen Garten konnten wir in den letzten zehn Jahren kaum nutzen. Es macht einfach keinen Spaß, wenn man die Gespräche im Minutentakt unterbrechen muss. Draußen hilft auch der beste Lärmschutz nichts.

Der Lärm geht an die Substanz. In der Schule, in der ich arbeite, sehe ich immer wieder, dass sich die Kinder schlecht konzentrieren können, weil sie permanent dem Lärm ausgesetzt sind. An Tagen, an denen besonders viele Flugzeuge landen, sind alle gereizter und gestresster.

Und der Lärm ist nicht die einzige Gesundheitsbedrohung, die von Tegel ausgeht. 2012 fand ich mein Auto mit einer riesigen Delle in der Motorhaube vor. Später stellte sich heraus: Ein Flugzeugkleinteil hatte das Dach unserer Carports durchschlagen und war wie ein Geschoss auf dem Auto aufgeprallt. Hätte dieses Teil jemanden am Kopf getroffen, hätte er das sicherlich nicht überlebt. Das war ein Schock-Erlebnis für mich.

Die Diskussion um die Offenhaltung des Flughafens, die im letzten Jahr angestoßen wurde, hat mich frustriert und sehr traurig gemacht. Mit dem Kauf unseres Hauses haben wir uns auf 30 Jahre verschuldet. Wir haben uns darauf verlassen, dass der Flughafen schließt – so wie es beschlossen und festgelegt wurde. Schlimm genug, dass der BER immer noch nicht eröffnet hat, und wir Jahr um Jahr weiter auf die Schließung Tegels warten müssen. Jetzt sollen wir bis ans Ende unserer Tage den Fluglärm ertragen? Für uns kommt das nicht in Frage. Wenn Tegel nicht schließt, werden wir unser Haus verkaufen müssen.

So wie meiner Familie geht es vielen in Spandau, Reinickendorf und Pankow. Mit Sorge sehe ich, dass gegenüber von unserem Haus gerade eine dringend benötigte Kita gebaut wird. Ich wünsche mir, dass die Kinder dort in Zukunft in Ruhe spielen und die Schüler*innen in meiner Schule entspannt lernen können. Ich wünsche mir, dass ich in meinem Garten sitzen, dass ich dort Obst und Gemüse anbauen kann. Ich wünsche mir, dass die Menschen in Spandau, in Reinickendorf und in Pankow endlich nachts schlafen können. Wenn der Flughafen offen bleibt, ist all das nicht möglich.

So wie ich leiden Hundertausende Berliner*innen unter der hohen Lärm – und Gesundheitsbelastung durch den Flughafen Tegel.

Deshalb fordern wir Grüne in Spandau einmal mehr: Tegel muss geschlossen werden. Für die Umwelt, für die Menschen und für eine lebenswerte Stadt. Wir müssen das Entwicklungspotential des Gebietes nutzen und Tegel, 120 Jahre nach der Eröffnung der Borsig-Werke, wieder zu einem Hort der Innovation machen und nicht verzweifelt am Status Quo festhalten und damit den Stillstand zementieren.

Herzliche Grüße,
Constanze Rosengart
Schulleiterin in Spandau
Kreisvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Berlin-Spandau

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