Faktencheck TXL

Die Initiative für einen Volksentscheid zur Offenhaltung des Flughafens TXL (http://www.berlin-braucht-tegel.de/warum-braucht-berlin-tegel/) fragt: „Warum braucht Berlin Tegel?“ und behauptet, „Tatsachen statt Nebelkerzen“ zu verwenden. Deshalb haben wir uns mit jedem einzelnen Punkt beschäftigt.

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Aussage:
Der BER ist zu klein
Der Flughafen BER soll maximal 27 Millionen Passagiere im Jahr bewältigen können. Bereits im Jahr 2014 sind an den Berliner Flughäfen 28 Millionen Passagiere abgefertigt worden und jedes Jahr kommen etwa 2 Millionen Passagiere hinzu.

Fakt: 
TXL hält Kapazitäten für die Abfertigung von jährlich 12 Mio. Fluggäste vor (geplant wurde Tegel mal für 2,5 Mio Passagiere). 2016 wurden 21 Mio. Passagiere gezählt, das mit weitem Abstand schlechteste „Plan-zu-Realität“-Verhältnis in Europa. Das muss zwangsläufig auch auf Kosten der Sicherheit und des Komforts gehen, was auch jeder sofort bestätigen kann, der in TXL nach einem 55-minütigen Flug über eine Stunde auf sein Gepäck warten durfte. Oder, ganz aktuell, Stunden auf den verspäteten Flug warten muss und es nicht mal genügend Sitzplätze gibt.

Aussage:
Zwei Flughäfen verteilen die Last des Zubringerverkehrs
In den letzten Jahrzehnten konnte sich der Fluganreiseverkehr auf den Ost- und Westteil der Stadt verteilen. Die einseitige Belastung des Ostens durch den BER könnte den Verkehrskollaps der Stadt bedeuten.

Fakt:
Im europäischen Vergleich wird BER mal ein ausgesprochen innenstadtnaher Flughafen sein, der „öffentlich“ innerhalb kürzester Zeit erreicht werden kann – nicht viel weiter entfernt als der viel zitierte Londoner City Air­port, der nach modernsten Lärmschutzkategorien betrieben wird: Ultakurze Startbahn und entsprechend steiler An- und Abflug, Lärmschutzbegrenzung, (Start-)Gewichtsbegrenzung.
Am BER wird mit bis zu 10.000 Passagieren in den Spitzenstunden gerechnet. Ein (!) S-Bahn-Zug bietet 376 Sitz- und 800 Stehplätze, doppelt soviel wie alle Busse zusammen, die zum Flughafen Tegel fahren. Dazu kommen noch die Regional- und Fernbahnen und die im dichten Takt verkehrenden Zubringerbusse vom U Rudow. Auf dieser Strecke sind teilweise heute schon Doppeldecker unterwegs.

Wer meint, unbedingt mit dem eigenen Kraftfahrzeug zum Flughafen fahren zu müssen, kann heute in Tegel und in Schönefeld auf einem der je 2.500 Parkplätze „Platz“ nehmen. Der BER wird 10.000 Parkplätze zur Verfügung stellen. Zum Vergleich: Frankfurt bietet 15.000, Kastrup 8.500 Parkplätze.

Aus dem alten Berliner Zentrum ist SXF heute schon schneller erreichbar als TXL. Spätestens mit Fertigstellung der Dresdner Bahn werden sogar die Spandauer*innen gleich schnell oder schneller am BER sein als heute in Tegel, deutlich bequemer dazu – beim Spandauer Umsteigebahnhof U7 (Jakob-Kaiser-Platz) wurden ja leider die Rolltreppen „vergessen“.

TXL belegt Platz 25 der größten europäischen Flughäfen, was die Anzahl abgefertigter Passagiere anbelangt. Nur zwei weitere Flughäfen aus der Top-25 sind ausschließlich per Bus angeschlossen: Palma de Mallorca und Dublin. Bei TXL ist das allerdings weniger einem nicht vorhandenen Schienennetz, sondern eher dem Status des ewigen Provisoriums geschuldet.

Europaweit existieren nur noch wenige Großflughäfen mit „innerstädtischer Lage“. TXL ist der einzige, der ohne striktes Nachtflugverbot und ohne zeitgemäßen Lärmschutz auskommt. Sofern die schnelle Anbindung an den nationalen und internationalen Schienenverkehr hergestellt wird und die Passagiere nicht auf langsame Busverbindungen angewiesen sind, spielen 10, 20 oder 30 Kilometer mehr oder weniger praktisch keine Rolle mehr. 12 Minuten dauert die Fahrt mit dem Zug aus dem Zentrum zum Flughafen – in Kopenhagen. Und vom Flughafenbahnhof aus sind es dort lediglich 100 Meter zum Check-in-Schalter.

Aussage:
Flughäfen bieten Sicherheit
Alle Metropolen der Welt haben mehr als einen Flughafen, um in Notfällen in kurzer Entfernung einen Ausweichflughafen zu haben. Die Hauptstadt von einem einzigen Flughafen abhängig zu machen, ist schlicht fahrlässig.

Fakt:
Haben wirklich alle Metropolen der Welt zwei oder noch mehr Flughäfen? Die Wahrheit ist: Weltweit gut die Hälfte aller Metropolregionen mit nennenswertem Luftverkehr, Berlin gehört da mit 4,7 Mio Einwohnern eher zu den Zwergen, kommt prima mit einem Flughafen aus. Der mit weitem Abstand größte deutsche Flughafen in Frankfurt/Main (61 Mio Passagieren pro Jahr) versorgt die Metropolregion Rhein-Main, in der 5,5 Mio Menschen leben. Der „single-airport“ Amsterdam-Schiphol schafft es, den Flugbetrieb eines ganzen Landes abzuwickeln – 63,6 Mio Passagiere wurden 2016 gezählt. Aber auch die Metropolregionen Madrid, Barcelona, Zürich, Wien, Kopenhagen und Dublin kommen mit jeweils einem Flughafen aus. Insgesamt flogen weltweit über 34 große „single-airports“ 2016 rund 1,5 Mrd Passagiere, im Durchschnitt rund 45 Mio pro Flughafen, bei durchschnittlich 10 Mio Einwohnern je Region. Dass die halbe Welt fahrlässig handeln soll und nur „Berlin-braucht-Tegel“ den Durchblick schiebt, eine schöne Vorstellung, aber jenseits jeglicher Realität.

Aussage:
TXL ermöglicht die Konkurrenzfähigkeit unserer Taxen
Die rund 8000 Berliner Taxen müssen am Flughafen BER mit Brandenburger Betrieben mithalten, die weniger Gewerbesteuer und niedrigere Versicherungsbeiträge zahlen. Die Erhaltung von Tegel würde für einen fairen Wettbewerb sorgen.

Fakt:
Die Berliner Taxifahrer müssen den Wettbewerb ganz bestimmt nicht fürchten, sowenig wie die sonstige Berliner Wirtschaft, die im Vergleich zu Brandenburger Unternehmen flächendeckend durch höhere Gewerbesteuern belastet wird, gleichwohl nahezu doppelt soviel steuerpflichtigen Umsatz je Einwohner erwirtschaftet. Zudem haben die Berliner Taxifahrer den Vorteil, dank besserer Ortskenntnis das Berliner Stadtgebiet deutlich effektiver bedienen zu können. Dass möglichst faire Bedingungen herrschen, was die Aufnahme von Passagieren anbelangt, ist auch Aufgabe der Politik. Abgesehen davon werden die Passagiere dank des Bahnanschlusses endlich zeitgemäß den Flughafen erreichen. Wenn er denn endlich mal eröffnet sein wird.

Aussage:
TXL erwirtschaftet Gewinn
Im Gegensatz zum Milliardengrab BER, erwirtschaftet der Flughafen Tegel Jahr für Jahr einen operativen Gewinn – zuletzt 88 Millionen Euro im Jahr 2014, die dem Land Berlin zum Beispiel für Schulen, Straßenbau und Sicherheit zur Verfügung stehen und wegfallen würden.

Fakt:
Dass mit einem auf Verschleiß „gefahrenen“ Unternehmen, hier: Flughafen, Gewinne erzielt werden können, die zu Lasten der Anwohner*innen, aber auch zu Lasten der Passagiere gehen, ist ein Skandal für sich und von der Berliner S-Bahn hinlänglich bekannt. Da diese Gewinne sich aber automatisch in Verluste verändern werden, sobald BER am Netz ist, beweisen unter anderem die ehemaligen „Reserve-Flughäfen“ in Madrid, Hongkong und Jakarta, die allesamt mehr oder weniger lang nach der Inbetriebnahme eines neuen Flughafens aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden mussten.

 

 TXL – So sieht’s wirklich aus:

Lärm ohne Ende, hohes Sicherheitsrisiko, miserable Infrastruktur – nein, einen solchen Flughafen länger zu betreiben als unbedingt notwendig ist sinnlos, zumal Berlin allein ohnehin darüber nicht entscheiden kann.

Quelle: Umweltatlas Senatsverwaltung Stadtentwicklung und Wohnen, Berlin
 

TXL – „einsame Spitze“ im innerdeutschen Vergleich:

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Verkehrsflughäfen_in_Deutschland#Liste_von_Großfflughäfen_und_Umgebungslärm

Bildrechte
Titel: Kurt-Schumacher-Platz
Fotograf: Dirk Eubel
Quelle: www.flickr.com
Lizenz: creative commons – CC BY-SA 2.0